ITV, Großbritanniens größter kommerzieller Rundfunksender, ging aus dem Werbeeinbruch von 2008-09 schwer beschädigt hervor: Auf einen Verlust von 2,7 Mrd. £ im Jahr 2008 folgte 2009 ein karger Gewinn von 25 Mio. £, nach dem, was der Vorsitzende Archie Norman den schlimmsten Abschwung der Fernsehwerbung aller Zeiten nannte. Das Unternehmen war fast vollständig von der britischen Spot-Werbung abhängig. 2010 kam Adam Crozier, zuvor Vorstandsvorsitzender der Royal Mail und der Football Association, als CEO und legte im August 2010 einen Fünfjahres-Transformationsplan vor.

Kern des Plans war es, die Abhängigkeit von britischer Free-to-Air-Werbung zu verringern, indem ITV Studios zu einem internationalen Produktions- und Vertriebsgeschäft ausgebaut wurde. ITV erwarb Mehrheitsbeteiligungen an Produzenten wie Gurney Productions, High Noon Entertainment, Thinkfactory Media und Leftfield Entertainment und fügte später Talpa Media (Hersteller von The Voice) hinzu. Auch die Rundfunkseite wurde erneuert: Mit ITV Encore startete der erste Pay-TV-Kanal, mit ITVBe die ersten neuen Kanäle seit fast einem Jahrzehnt, und die Online-, Pay- und interaktiven Erlöse wurden ausgebaut.

Die Ergebnisse summierten sich: 2014 stieg der Umsatz um 8 % auf 2,6 Mrd. £, das EBITA um 18 % auf 730 Mio. £, und der Umsatz von ITV Studios wuchs um 9 % auf 933 Mio. £. Bis 2015 erreichte der bereinigte Vorsteuergewinn 1,18 Mrd. $, ein Plus von 18 %, der Gesamtumsatz stieg um 15 %, und der Studios-Umsatz schnellte um 33 % auf 1,24 Mrd. £, davon 53 % aus dem Ausland — Crozier nannte es das weltweit profitabelste Produktionsgeschäft außerhalb der US-Großkonzerne.

Bis 2014 betrug der Umsatz 2,6 Mrd. £ bei einem EBITA-Anstieg um 18 % auf 730 Mio. £; bis 2015 erreichte der bereinigte Vorsteuergewinn 1,18 Mrd. $ und ITV Studios überschritt 1 Mrd. £ Umsatz.

Die Strategie griff den einzigen Ausfallpunkt an — die Abhängigkeit von britischer Spot-Werbung — statt nur die Kosten darin zu senken.

Produktionsübernahmen verschafften ITV erprobte Hits und Formate, die weltweit verkauft werden konnten, und verwandelten eine Kostenposition in einen Gewinnmotor.

Crozier hatte Turnaround-Glaubwürdigkeit von der Royal Mail, und der Plan erhielt einen klaren Fünfjahresrahmen mit messbaren Prioritäten.

Inhalte wie Downton Abbey reisten international und bestätigten die Wette, dass britische Programme weltweite Nachfrage hatten.

Ein Rundfunksender, der dem Werbezyklus ausgeliefert ist, kann sich selbst neu bewerten, indem er die Inhalte besitzt, die er ausstrahlt: Verkauft Programme global, und der Markt bewertet euch nicht mehr als reines Werbegeschäft.

Crozier trat Mitte 2017 nach sieben Jahren zurück, und ihm folgte Carolyn McCall von easyJet. Die von ihm aufgebaute Diversifizierung erwies sich als dauerhaft: ITV Studios blieb der Wachstumsmotor der Gruppe, und ITV nutzte diese Produktionsbasis später, um den Streamingdienst ITVX zu starten, als die Werbung erneut unter Druck geriet.

DEN BELEGEN FOLGEN

Die Quellen

  1. ITV is back in black Manchester Evening News · manchestereveningnews.co.uk
  2. U.K. TV Network ITV Sees 8% Rise in Revenue, 18% Growth in Profit Variety · variety.com ·
  3. ITV 2015 Earnings Rise, Production Arm Continues to Drive Growth The Hollywood Reporter · hollywoodreporter.com ·