Telekom Austria war einer der letzten europäischen etablierten Telekommunikationsanbieter ohne Börsennotierung, als Österreich im November 2000, mitten im Platzen der Dotcom-Blase, eine Teilprivatisierung ankündigte. Der Staat plante, 28–32 % für 1,5–1,9 Milliarden € zu verkaufen, wobei die Aktien mit 9–12 € bewertet werden sollten, nachdem Wochen zuvor noch 14–15 € im Gespräch gewesen waren.
Die Notierung am 20.–21. November 2000 in Wien und New York – das erste österreichische Unternehmen an der NYSE – wurde auf 128,8 Millionen Aktien (25,8 % des Kapitals) reduziert und brachte 1,16 Milliarden € ein, weniger als die Hälfte dessen, was Wien Monate zuvor erhofft hatte. Finanzminister Karl-Heinz Grasser räumte ein, er sei „nicht sehr zufrieden“, sagte aber, die Marktbedingungen hätten den Preis erzwungen.
Die Aktien fielen am ersten Handelstag um etwa 14 %. Der neue Vorstandsvorsitzende Heinz Sundt verband den Börsengang mit einem Sanierungsplan – dem Abbau von 5.000 Festnetz-Arbeitsplätzen von 18.000 und dem Versprechen eines jährlichen EBITDA-Wachstums von 7–10 % –, während Mobilkom mit 2,7 Millionen Kunden einen Marktanteil von 50 % im Mobilfunk hielt.
1,16 Mrd. € aus dem Börsengang von 2000; insgesamt 2,45 Mrd. € Erlös aus den Verkäufen des Staates bis 2013
Die Preisgestaltung am unteren Ende der Spanne sicherte den Verkauf in einem Markt, in dem eine Verzögerung ihn hätte zunichtemachen können.
Der Staat behielt 44,4 % und Telecom Italia seine 29,8 %-Beteiligung, sodass der Börsengang den Preis testete, ohne die Kontrolle abzugeben.
Die Verknüpfung des Börsengangs mit einem sichtbaren Kostensenkungsplan gab den Anlegern eine Aufholgeschichte zu kaufen.
Wenn sich das Marktfenster schließt, kann der Abschluss eines Verkaufs zu einem niedrigen Preis besser sein als Abwarten: Österreich brachte das Geschäft in einer Crash-Phase unter Dach und brachte mit disziplinierten späteren Tranchen aus demselben Vermögenswert insgesamt 2,45 Mrd. € ein.
Die Aktien von Telekom Austria verloren in den Monaten nach dem Börsengang mehr als 30 %, doch das Unternehmen stabilisierte sich, und weitere Verkäufe des Staates brachten bis 2013 insgesamt 2,45 Milliarden € ein, als der Staat noch 28,4 % hielt. Der Betreiber, später als A1 Telekom Austria firmierend, blieb börsennotiert und profitabel.
DEN BELEGEN FOLGEN
Die Quellen
- Telekom Austria affronte des marchés difficiles pour sa mise en Bourse Les Echos · lesechos.fr ·
- Entrée en Bourse morose pour Telekom Austria Les Echos · lesechos.fr ·
- Telefonica Moviles, Telekom Austria enter IPOs RCR Wireless · rcrwireless.com ·
- Verkäufe unter Schüssel-Grasser ORF · newsv2.orf.at ·